Quo vadis Partyportale

„Hi, darf ich ein Foto von Euch machen?“
Wann habt Ihr diese Frage zuletzt auf einer Party gehört?

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an die Zeit vor facebook, als auf Partys Fotografen unterwegs waren und man unter der Woche auf den dazugehörenden Partyportalen nicht nur Bilder anschauen, sondern auch in den Communities mit Freunden und Flirts in Kontakt bleiben konnte.

Diese Communites der frühen 0er Jahre (also von 2000 bis 2005) sind quasi ein Vorläufer der heute omnipräsenten sozialen Netzwerke.
Was ist eigentlich aus ihnen geworden, wo doch heute eben alle Welt bei facebook, Instagram oder Google+ unterwegs ist?

Heute sind fast alle Freunde bei facebook und dank Smartphones gibt es von den Partys auch genug Fotos zum Anschauen. Die Partyportale verlieren also quasi ihre Existenzberechtigung und dementsprechend sieht es dort teilweise auch aus.
Der Glanz, den diese Portale einst ausstrahlten ist mittlerweile nicht mehr vorhanden. Zum Teil dümpeln die Portale vor sich hin, werden mehr schlecht als recht aktualisiert oder sind gar zu Bannerfriedhöfen verkommen, wenn sie nicht schon bereits offline sind.

Natürlich gibt es noch das ein oder andere Portal, dass sich erfolgreich halten konnte oder durch Kooperationen mit Printpublikationen (oder gar als Online-Ableger dieser) an Reichweite zulegen konnte. Aber die „Goldgräberzeiten“ sind definitiv vorbei.

Wo niemand arbeitet,
kann niemand entlassen werden

Interessanterweise kam es trotz Stagnation und Rückschritt noch nirgendwo zu „Massenentlassungen“ – das liegt aber eher daran, wie diese Portale Personaltechnisch aufgestellt sind.
Nach außen hin sind Partyportale mit zum Teil einer Armada von Fotografen, Promotoren, Community-Moderatoren, Partyscouts und so weiter unterwegs, doch in Wirklichkeit arbeiten meist maximal 10 Leute bei diesem Portal.
Dieses Kern-Team umfasste die Gründer, die Entwickler, einen oder zwei Chef-Fotografen und mitunter noch zwei Bürokräfte. Die restlichen „Mitarbeiter“ waren freie Mitarbeiter, oder wurden wie Promotoren pro Job gebucht.

Partyfotos – der Trend der frühen 0er Jahre

Auch wir hatten damals bei der Vipcode einen sehr kleinen Stab: 3 Leute, dazu kamen dann bis zu 30 Fotografen, Promotoren und Partyscouts, die aber allesamt nicht wirklich bezahlt wurden – wir erinnern uns, die waren bei uns ja auch nicht angestellt …

Personalpolitik: Fotografen – arbeiten für lau

Es ist natürlich sehr überspitzt zu sagen, es hätte kein einziger Fotograf wirklich fest für ein Portal gearbeitet. Es gab durchaus Partyportale mit einigen angestellten Fotografen, die wurden dann meist für Konzerte oder große Events eingesetzt, oft waren sie auch Leiter des gesamten Fototeams oder Regionalleiter.

Die große Mehrzahl der Partyfotografen wurden im besten Falle pro Party mit einer kleinen Pauschale bezahlt, im Normalfall wurden sie jedoch gar nicht bezahlt.
Was bringt nun so viele Menschen dazu, für lau zu arbeiten?

Prestige!
Es ist ja nicht so, als hätte es nicht nur kein Geld sondern überhaupt nix gegeben. Zum einen erhielt man kostenlosen Eintritt in die angesagtesten Clubs und kam immer am Türsteher vorbei – egal wie viele Leute vor einem in der Schlange standen. Von vielen Clubs gab es dann auch noch 2-3 Freigetränke und auch das Barpersonal war beim Mischverhältnis von Wodka-Bull sehr entgegenkommend.

Weiter fällt mann [!] durch die Kamera und das Shirt des Partyportals natürlich auf, wird wiedererkannt, von anderen Gästen spontan auf einen Drink eingeladen und kommt natürlich auch ganz einfach mit allen in Gespräch – auch mit sonst eher reservierten Frauen, was vielleicht der Grund ist, warum es deutlich mehr männliche als weibliche Partyfotografen gab (und diese mitunter auch sehr aufdringlich waren).

Das sind für regelmäßige Partygänger natürlich einige Vorteile, zumal die Anforderungen an den Job eines reinen Partyfotografen sehr gering waren, je nach Portal brauchte man nicht mal eine eigene Kamera, sondern bekam diese gestellt.
Es gab natürlich auch Hobbyfotografen, die sich über diesen „Job“ auch Modells für eigene Fotoprojekte akquirierten – sicherlich ein guter Grund, Partyfotograf zu werden.

Was auch immer der Grund für die einzelnen Partyfotografen war, am Ende arbeitete sie Stundenlang und gaben pauschal alle Rechte an den Fotos ab und das für lau oder einen geringen Betrag von etwa 30 bis 50 € je Party.

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Quo vadis Partyportale – Artikelserie

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in weiteren Teilen beschäftige ich mich mit den Einnahmemöglichkeiten der Partycommunities, der Entwicklung des Marktes, werfe einen Blick auf den aktuellen Zustand und stelle eine Auswahl an Marktteilnehmern vor.

Kleine Info am Rande:

Ich war von 2003 bis 2005 beim Partyportal vipcode.de involviert (Zeitweise auch in der Geschäftsführung), von 2006 bis 2007 war ich bei den Nachtagenten als Assistenz für die Bodenseeregion im Einsatz. Die Hintergrundinformationen zu dieser Artikelserie stammen also aus eigener Erfahrung und aus damaligen Gesprächen mit Mitbewerbern. Zahlen, gerade im Bereich der Einnahmen, sind „Hausnummern“ – die Verfälschung ist notwendig, da bei vielen Verträgen Verschwiegenheitsvereinbarungen existieren.

Ich bin der neugierige Geek und schreibe hier so rum.
Im normalen Leben bin ich Experte für Marketingaufbau und B2B-Marketing, Start-up Enthusiast, Kickstarter-Backer und Investor.

Other posts of the serie

  1. Quo vadis Partyportale: 2. Einnahmequellen (24. September 2012)
  2. Quo vadis Partyportale (17. September 2012)

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